Broken silence

Es gibt wenige Dinge, die mich noch mehr ankotzen als Frühaufsteher. Leute, die um 10 schon schlafen gehen, damit sie um Punkt 6 wieder Topfit sind, um alle Insomniegeplagten um 9 an der Haustür zu belästigen.
„Haben sie Interesse an einem Abonnement?“
„Guten Tag, Firma Frostfraß, haben sie eine Bestellung?“

„Entschuldigung, unser Mehl ist alle, kann ich vielleicht…“
„NEIN ZUR HÖLLE!!! ES IST NEUN UHR MORGENS, LEGT EUCH WIEDER IN EURE VERFICKTEN BETTEN!!!“

Richtig scheiße wird es aber erst, wenn man selbst zwangsweise zu einem wird. Also, versteht mich nicht falsch, für ein Frühstück mit nerdcora steht auch meinereiner gern mal etwas eher auf, läuft im strömenden Regen zum Bäcker, holt frische Brötchen, packt die nochmal um weil die Tüte durchweicht und steht pünktlich um 10 strahlend wie ein Sonnenschein vor ihrer Haustür. Wirklich. Aber dieser Beweis schier unendlicher Zuneigung ist längst kein Freibrief für andere Menschen, einem den geliebten Vormittag mit Terminen zuzupflastern.

„Treffpunkt für die Projektgruppe ist Morgen um 10.“
Oh mein Gott. Wer hat das eigentlich angeordnet?! Ich nicht. Wenn man bis 6 Uhr wachliegt, zwei Stunden schläft und dann erbarmungslos der Wecker klingelt, gesellen sich zur obligatorischen Frühaufsteheraggression auch noch die für Schlafentzug typischen Kopfschmerzen. Die Geräuschkulisse der entfernten Straße, die sonst kaum wahrzunehmen ist, fühlt sich plötzlich an, als wäre man auf einer Baustelle aufgewacht. Ein gezielter Faustschlag beendet das Weckerklingeln – und auch das Ticken der Zeiger. Juchu, es ist Montag.

Weder der gesundheitschädigende Cocktail aus Koffein und Zucker, noch die morgendliche Dusche bringen den müden Kreislauf in Schwung. Stattdessen schleppt man sich zur Bushaltestelle, mit der Geschwindigkeit eines Statisten in einem George-Romero-Film. Zu den Kopfschmerzen gesellen sich nun auch Übelkeit und Magenknurren.

Wie eingangs erwähnt gibt es nur wenige Dinge, die mich noch mehr ankotzen als Frühaufsteher. Eines davon: Der Moment, wo man die Kopfhörer aufsetzt, den iPod aus der Tasche fingert, einschaltet, die Playlist auswählt und auf „Play“ drückt – und aus dem rechten Kopfhörer plötzlich kein Ton mehr kommt. Kabelbruch? Nein, das wäre zu verschmerzen. Das Drecksteil ist kaputt. Dreihundert Euro, ein „Kultobjekt“, jeder Trottel hat einen verfickten iPod und ausgerechnet meiner ist kaputt. Ausgerechnet diese Woche, wo ich jeden verfickten Tag von 8 Uhr morgens bis 18 Uhr Abends mit Terminen eingedeckt bin, ausgerechnet diese Woche überlegt sich dieses Scheißding, einen Hitzekoller zu bekommen. Jetzt heißt es wieder zu Gravis fahren, wieder eine Reperatur beantragen, wieder 3 Jahre auf den „rasanten“ Apple-Service warten – und zu allem Überfluss ist die Garantie abgelaufen. Die wollen wieder Geld von mir. Ich könnte kotzen.

Da sitze ich also, im Bus nach nirgendwo. Keine Musik, keine Zuflucht, nur dieses penetrante Stechen zwischen meinen Ohren. Nur das Gefühl, sich in den nächsten 10 Minuten übergeben zu müssen. Mittlerweile nicht mehr nur wegen den Übermüdungserscheinungen, sondern auch wegen dem Gestank, verursacht durch die feuchte, heiße Luft, den Schweiß der Passagiere und das traditionelle Bus-Aroma. Und dann steigt ’ne Tusse ein, vielleicht 5 Jahre älter als ich es bin, Handy am Ohr, und setzt sich direkt neben mich. Mindestens noch fünf freie Sitzplätze in dem Scheiß-Bus und die setzt sich neben mich und quatscht mir eine gottverdammte Frikadelle ans Ohr.

Ich versteh nichtmal was die labert, ich kenn die Sprache nicht, aber natürlich muss sie an der gleichen Haltestelle raus wie ich. Also verbringen wir die nächsten 30 Minuten in trauter Zweisamkeit. Von Links das Gequatsche, von Rechts der Lärm des Busses und des übrigen Straßenverkehrs. Mein iPod verweigert den Dienst, aber die Welt nervt stehts in Stereo.

Guten Morgen.

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