Shopping cart

Es gibt beim Einkaufen ’ne Menge Dinge, die mich wütend machen. Klar, ich bin ein cholerisches Arschloch, das überrascht wohl niemanden. Aber wisst ihr, was das Unerträglichste für mich ist, wenn ich im Supermarkt meines Vertrauens an der Kasse stehe? Wagenzieher. Wagen-was? Wagenzieher. Wagenzieher? Wagenzieher.*

Wagenzieher sind genau jene Menschen, die mit dem Mensch-Maschine-Interface von handelsüblichen Einkaufswagen überfordert sind. Der Einkaufswagen hat, wie den meisten wahrscheinlich klar ist, am hinteren Ende einen Griff, der bestens dafür geeignet scheint, das Vehikel vor sich herzuschieben. Schieben. Soweit zur Theorie. In der Praxis zeigt sich leider, dass gefühlte 20 bis 30 Prozent der Einkaufenden mit dem vermeintlich narrensicheren Benutzerinterface maßlos überfordert sind. (Eine umfangreiche empirische Studie wird schnellstmöglich nachgereicht.) Wie der Name schon andeutet, sind Wagenzieher Personen, die den Einkaufswagen nicht vor sich herschieben, sondern den Einkaufswagen hinter sich herziehen, was spätestens an der Kasse zu massiven Verkehrsbehinderungen führt, die alle Beteiligten gleichermaßen in Rage versetzen.

Hat sich der Wagenzieher erstmal in die Schlange gestellt, ist er nur schwer aufzuhalten. Langsam und geduldig lauert er, pirscht sich an sein Ziel heran, bis er es schließlich erreicht hat: Das Förderband. Ist er dort angekommen gibt es keine Möglichkeit, die sich anbahnende Katastrophe abzuwenden. Zu eng ist die schmale Gasse zwischen Förderband und der benachbarten Kasse. Geduldig lädt der Wagenzieher seine Einkäufe auf das Förderband, den Wagen lässig hinter sich herschleifend. Auf Höhe der Kasse bleibt der Wagenzieher schließlich stehen. Der Einkaufswagen, der eine geschätzte Länge von etwa 1,5 Meter hat, blockiert den Gang, der am Förderband vorbeiführt und behindert die nachfolgenden Einkäufer beim Aufladen ihrer Waren. Auf dem Förderband bilden sich weite Distanzen zwischen den Waren des Wagenziehers und den Waren des nächsten Kunden – nicht aus Abscheu, sondern weil die Arme des hinteren Kunden nicht lang genug sind, um die blockierten 1,5 Meter zu überbrücken. Ist der zweite Kunde nun sogar selbst mit einem Einkaufswagen unterwegs, vergrößert sich die zu überbrückende Entfernung auf 3 Meter. In diesem Fall bleibt mindestens ein Drittel des Förderbands ungenutzt.

Sobald der Wagenzieher seine Waren bezahlt hat, kann er ein Stück vorrücken, um seine Einkäufe wieder einzuladen. Bis er damit fertig ist, kann der zweite Einkäufer im besten Fall gerade so die Kasse erreichen, im schlimmsten Fall muss er warten, bis der Wagenzieher eingeräumt hat, bevor er zum Kassierer vordringen kann. Die nachrückenden Kunden sind unnötig gestresst, in Windeseile müssen sie das Förderband beladen, jetzt, wo endlich Platz ist. Gedränge, Hektik, schlechte Laune – das grausame Vermächtnis eines einzelnen Wagenziehers.

Natürlich gibt es schlimmeres. Es gibt immer schlimmeres. Es gibt AIDS, Krebs, Hawaii-Pizza, Mord, Kindesmissbrauch, das aktuelle Album von Marteria, Vergewaltigung und Hunger in Entwicklungsländern. Aber ein großes Elend ist keine Entschuldigung für ein anderes großes Elend. Und ich schwöre euch, jedes verfickte Mal, wenn ich bei Real an der Kasse stehe und so ein Vollidiot den Verkehr aufhält, jedes Mal stirbt etwas in mir. Rettet Chrizzo! Tötet Wagenzieher!

In diesem Sinne…


* Naphtalene?

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