Hiphop 3.0: Beta version available now!!!

Das neue Jahr beginnt mit guten Nachrichten: Hiphop ist nicht tot. Version 3.0 ist kurz vor der Fertigstellung, eine erste Beta-Version ist bereits als App für den Smartphone-Markt verfügbar. Wir erinnern uns: Als zum Ende der Neunziger die fröhliche Jam-Kultur aus den Jugendzentren verschwand, wurde der zeitgleich einsetzende Internet-Boom eine erstklassige Alternative. Das Headset wurde das Mikrofon, der Computer das Mischpult, Rapidshare die Bühne und die großen Hiphop-Online-Communities das Publikum. Die Battle-Kultur und das gemeinschaftliche Musizieren und „Jammen“ verschwand von der Bühne und lebte in den Foren weiter. Was vielen Heads der Neunziger das Herz brach, war letztendlich die einzige Form der Jam, die ich jemals kennenlernen durfte – und wie ihr wahrscheinlich wisst, hat es mir nicht unbedingt geschadet. Von virtuellen Battles mit unterhaltsamen Sprüchen bis zu musikalischen Kooperationen quer durch die Republik reichte die Spannweite, nicht nur bei mir, sondern auch bei vielen anderen Künstlern meiner Generation. Statt Freestyle-Battles gab es plötzlich die RBA (Reimliga Battle Arena), die spätestens seit dem „großen Durchbruch“ von Kollegah wahrscheinlich jedem Hiphop-Fan in Deutschland ein Begriff ist.

Leider ist der Internetzugang mit dem Heimcomputer mittlerweile out, nicht mehr state of the art. Ich hab ja auch schon kapituliert und eine halbwegs funktionierende Mobile-Lösung für chrizzo.de gebastelt, obwohl ich immer noch finde, dass chrizzo.de auf dem richtigen Computer nach wie vor am besten aussieht. Trotzdem: Der „mobile Sektor“ (wie ein Freund von mir den Schwachsinn immer zu nennen pflegt) darf nicht ignoriert werden. Smartphones sind im Kommen, das Internet ist überall – Hiphop wäre nicht Hiphop, wenn nicht sein natürlicher Überlebensinstinkt erste Schritte wagen würde, sich den neuen Gegebenheiten anzupassen. Und jetzt ist sie endlich da: Die Hiphop-App für unterwegs. Vergesst die Jam im Jugendhaus, vergesst die RBA: Rah Digga (der einzige weibliche MC, der sich je meinen ehrlichen Respekt verdient hat) präsentiert „Straight Spittin'“. Die (scheinbar) erste Hiphop-Battle-App für euer Mobiltelefon. Eigentlich logisch, das Mikro ist vorinstalliert, der Gegner wird als Online-Stream zugeschaltet, Publikum findet sich in jeder Straßenbahn. Die werden ja eh schon regelmäßig aus Handylautsprechern von Bushidos Jüngern mit unterdurchschnittlichen und mäßig gehaltvollen „Musikstücken“ versorgt. Warum nicht selber „Straight Spittin'“? Auf jeden Fall eine faszinierende Kuriosität. Unbedingt mal auf der zugehörigen Webseite hier angucken!

Vielleicht bringt der frische Wind in der virtuellen Hiphop-Welt ja endlich die verkorkste Außenwahrnehmung wieder in Ordnung, die unsere einst so wunderschöne Szene derzeit genießt. Unter anderem wegen den Eskapaden eines Mannheimer „Systemkritikers“, der zwar gegen den Staat, gegen das System und Ungerechtigkeit und Homosexualität und überhaupt alles ist, aber keine anderen Lösungsvorschläge zu bieten hat als allem und jedem die Fresse zu polieren. (Nachzulesen hier.) Wegen der Beweihräucherung von „Künstlern“ wie Haftbefehl oder Money Boy, die zwar die Mindestvorraussetzungen für vernünftigen Rap nicht erfüllen, aber trotzdem von allen in den Himmel gelobt werden. Wegen dem anbiedernden Elektropop-Schrott, arroganten Möchtegern-Indie-Rockern und den ganzen anderen „Rappern“ die wir der Öffentlichkeit als Aushängeschilder präsentieren.

Machen wir uns nichts vor: Wir sind auf den Nachwuchs angewiesen. Wir brauchen Leute, die straight spitten – und zwar schnell. Keine Technobeats, keine Rockband, keine Flowschwächen oder Grammatikfehler – einfach straight spitten. Die Szene zählt auf euch. Gute Nacht.

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