Falsification of dogguments

Wie wahrscheinlich jeder, der sich auch nur ein winziges Bisschen für Hiphop interessiert schon längst weiß, ist diese Woche „Doggumentary“, das neue Album von Westcoast-Ikone Snoop Dogg, in den Verkauf gegangen. Allerdings voererst nur in den USA, der offizielle Verkaufsstart in Deutschland beginnt erst in 2 Wochen. Als ob die Verzögerung noch nicht unverschämt und dreist genug wäre, hat sich EMI Music für den europäischen Markt eine zusätzliche Frechheit erlaubt, um die Fans des G-Funks noch ein kleines Bisschen wütender zu machen: Der Song „Wet“ (für Mädchen heißt er „Lied Nummer 14“) wird auf der für den europäischen Markt vorgesehenen Fassung des Albums kurzerhand durch einen Remix von David Guetta ersetzt. Zugegeben: Die lässig gesungene Autotune-Fickhymne lädt quasi förmlich zum Remixen ein. Aber statt den Remix als B-Seite für eine Singleauskopplung zu verwursten, als Bonus-Track dem Album beizulegen oder ihn als seperate Remix-Single der ravenden Bevölkerung des Planeten Techno anzubieten, für die der Song vermutlich deutlich interessanter ist, geht man andere Wege.

EMI Music hat kurzerhand beschlossen, dass Techno in Europa angesagt und hip ist, dass Techno sich gut verkauft und dass Techno ein Verkaufsargument ist. Die implizierte Werbung für den talentlosen, maßlos überbewerteten Techno-Produzenten David Guetta, der zufällig ebenfalls bei EMI Music unter Vertrag ist, ist ein netter Nebeneffekt. Die Leidtragenden sind – wie so oft – die Fans, die sich wegen kurioser Labelentscheidungen auf einem Album voller entspannter Westcoast-Rap und G-Funk-Tunes einen Techno-Song gefallen lassen müssen, der das sommerlich warme Gefühl des Albums stört und mit seiner nervtötenden Hektik die Grundtimmung des Albums völlig zerreißt. Was EMI Music zu dieser Entscheidung geritten hat, weiß natürlich nur der liebe Gott.

Für Fans gibt es immer noch die Möglichkeit, die US-Version des Albums zu importieren, das kostet allerdings zumindest bei Amazon.de aktuell knapp 26 Euro, also gut 10 Euro mehr als die europäische Version, die in 2 Wochen erscheint. Ob das Album wirklich 26 Euro wert ist vermag ich nicht zu sagen, ob der Song „Wet“ allein 10 Euro wert ist vermag ich erst Recht nicht zu sagen. Aber die kastrierte, verunstaltete Version des Albums in einen trägen Ladenhüter zu verwandeln um ein Zeichen zu setzen und EMI Music zu signalisieren, dass diese schäbige Art der Kundenverarsche absolut nicht vertretbar ist, sollte jedem bewussten, emanzipierten Musikhörer mehr als 10 Euro wert sein. Und in Zukunft solltet ihr, genau wie ich, bei dem EMI-Tonträgern mal genau hinsehen, ob ihr wirklich das richtige Album und nicht eine angepasste Mogelpackung bekommt.

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