Sherlock Helsing

Sherlock Holmes und Van Helsing in Personalunion: Malcolm Max. Eine Art Privatdetektiv, der auf übernatürliche Phänomene spezialisiert ist. Beim diesjährigen Gratis-Comic-Tag hatte ich das Glück, eine Leseprobe der Comicserie abzugreifen, die nach ihrem Protagonisten benannt ist. Genaugenommen ist es eine Leseprobe aus dem ersten Band „Kapitel 1: Body Snatchers“, die immerhin fast 40 Seiten lang ist und mich wirklich eine ganze Weile beschäftigt hat.

Die Story in einer Nussschale: Im Jahr 1889, während die Welt sich im Umbruch befindet, herrscht reges Treiben auf den Friedhöfen Londons. Mysteriöse Grabräuber plündern die Gräber und stehlen Leichen. „Body snatching“ ist keine Seltenheit, benötigen doch angehende Mediziner ständig neue Anschauungsobjekte. Allerdings nimmt die Grabschänderei immer skurrilere Züge an, weshalb sich Malcolm Max und seine bezaubernde Begleiterin Charisma an die Fersen der Body Snatchers heften. Doch während sie das mysteriöse Treiben verfolgen, werden sie unfreiwillige Zeugen eines brutalen Mordes. Denn zu allem Überfluss treibt ein Serienkiller, der stets junge, attraktive Frauen ermordet und verstümmelt, auf den Straßen Londons sein Unwesen. Am Tatort aufgefunden wird Malcolm Max plötzlich selbst zum Verdächtigen und muss gleich zwei Fälle lösen, um den Verbrechen ein Ende zu setzen und seinen Namen reinzuwaschen.

Für einen Comic enthält das Abenteuer von Malcolm Max und seiner hübschen Begleiterin Charisma wirklich viel Text. Der wirkt manchmal etwas künstlich, weil stets gehobenes, piekfeines Oberklassendeutsch gesprochen wird, sorgt aber gleichzeitig dafür, dass jedes Panel sehr viel Aufmerksamkeit bekommt, weil der den Leser in ein relativ langsames Lesetempo gezwungen wird. Das ist auch gut so, denn der Comic enthält wunderschöne Zeichnungen mit sehr vielen Details und hat eine sehr stimmige, wenngleich etwas eintönige Farbpalette. Viel Text und äußerst sprechende Mimik hauchen den Figuren rund um Malcolm Max sehr viel Leben ein und die Geschichte, wenn sie auch an manchen Stellen etwas vorhersehbar ist, macht ständig Lust auf mehr. Mehr von dem charmanten Schlagabtausch zwischen den beiden ungleichen Helden, mehr von den Vorkommnissen, die zunächst nicht klarer, sondern immer mysteriöser werden. Vor allem aber mehr von den wirklich großartig stilisierten, detailreichen Zeichnungen.

Der Comic-Kritiker Tiberius „Spiri“ Tarante attestiert dem Comic, die beste deutsche Comicproduktion seit „Steam Noir“ zu sein [1] und auch die Rezensionen auf Amazon.de lesen sich äußerst positiv [2]. Ich kenne „Steam Noir“ nicht, aber ich gebe zu: Was Autor Peter Mennigen und Zeichner Ingo Römling da geschaffen haben, hat einen Grad von Qualität, der sich vor internationalen Vergleichen nicht zu scheuen braucht. Das ambitionierte Projekt verdient Aufmerksamkeit (was auch der Grund für diesen Blogbeitrag ist). Auf der offiziellen Webseite des Splitter Verlags gibt es eine kleine Leseprobe für alle, die den Gratis-Comic-Tag versäumt (oder kein Probeexemplar ergattert) haben [3]. Für alle, die gern einfach mal in dem Buch blättern wollen, gibt es darüber hinaus ein kleines Video von Ingo Römling persönlich. Falls ihr dem Medium Comic gegenüber prinzipiell offen seid, möchte ich euch ans Herz legen, in diese abgefahrene Geschichte mal reinzuschnuppern. Ich jedenfalls werde mir den ersten Band wohl mal beschaffen, denn ich möchte wahnsinnig gerne wissen, wie die Geschichte weitergeht.

 

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