Les Misérables

Ich hatte heute Abend das Vergnügen, den Film „Les Misérables“ zu sehen. Zuallererst muss ich sagen, dass er sich nur bedingt in den Canon der bisherigen X-Men-Verfilmungen einfügt. In „X-Men Origins: Wolverine“ sieht man den noch sehr jungen Wolverine im Jahr 1845. In „Les Misérables“ ist Wolverine im Jahr 1832 bereits ein alter Mann. Das ist zunächst irreführend und ein spannender Cliffhanger für die nächste X-Men-Verfilmung, die hoffentlich die Brücke zwischen dem Ende von „Les Misérables“ und dem Anfang des ersten Wolverine-Films schlagen wird. Vielleicht ist der neue Film aber auch nicht als Prequel sondern einfach als Reboot zu verstehen?

Thematisch dreht sich der Film um Wolverines Abenteuer unmittelbar vor und auch während des Juniaufstands 1832 in Frankreich (Achtung: Der Link enthält Spoiler!). Anders als der letzte Wolverine-Film ist die Geschichte hier sehr viel fesseelnder. Statt Actionsequenzen mit Krallen und Superkräften gibt es sehr viele Dialoge, die allesamt gesungen vorgetragen werden. Andere Mutanten sind nicht zu sehen, mit Ausnahme von Helena Bonham Carter, die erneut die Rolle der Mrs. Lovett übernommen hat – es wäre allerdings nett gewesen, ihr ein neues Kostüm für die Rolle zu nähen. Aus Angst vor Spoilern möchte ich auf die Geschichte hier nicht näher eingehen, ich kann aber sagen, dass sie trotz gelegentlicher Längen sehr spannend ist.

Was die computergenerierten Effekte angeht, so steht „Les Misérables“ seinem Vorgänger in nichts nach: Die Effekte sehen, für den State-Of-The-Art des Jahres 2013 zum Teil wirklich herausragend scheiße aus. Zum Glück bleiben sie einem die meiste Zeit erspart. Stattdessen erwartet den Zuschauer eine stimmige Ausstattung, insbesondere was Kostüme und Kulissen angeht. An der Maske wurde manchmal ein Bisschen gespart, glaube ich. Es gibt eine ganz tolle Szene, in der die hinreißende Anne Hathaway recht lange in einer Nahaufnahme zu sehen ist und dabei die Frage aufwirft, warum nur die mittleren vier Zähne des Oberkiefers dreckig, gelb und schimmlig sind, während der Rest aussieht als wäre das ein Zahnpastewerbespot.

Abgesehen davon spielt Hathaway, wie erwartet, den restlichen Cast an die Wand, ohne mit der Wimper zu zucken. Aber auch Hugh Jackman, der wieder in der Rolle des Wolverine zu sehen ist, macht seine Sache ganz, ganz toll. Die Darbietung von Russell Crowe ist schon etwas fragwürdiger. Einerseits singt er ziemlich gut, andererseits hätte er seiner Figur vielleicht etwas mehr Härte und Dominanz verleihen sollen. Finde ich. Glaube ich. Die Darbietung von Eddie Redmayne dagegen ist garnicht fragwürdig – er spielt kacke. Die meiste Zeit spielt er richtig kacke. Das fällt vor allem auf, weil die übrigen Schauspieler so gut sind, aber eben auch, weil seine Figur total oft emotionale Szenen hat, die einfach absolut nicht zünden. Schade. Über den Gesang wurde im Vorfeld bereits viel genörgelt. Grundsätzlich muss man halt sagen, dass der Gesang in dem Film oft nicht nach einem Musical klingt, sondern mehr nach gesungenen Filmdialogen, die manchmal absichtlich schief, erstickt oder verheult gesungen sind, wenns den Figuren grad nunmal scheiße geht. Ist halt kein Disneyfilm. (Disney hat zwar scheinbar die Rechte an der Avengers-Marke aber nicht an den X-Men.) Geschadet hat es dem Film aber nicht. Nur der Gesang von Russell Crowe ist handwerklich zwar prima, stimmungsmäßig aber meistens irgendwie daneben. Ansonsten machen die ihrem Kram schon ordentlich.

Insgesamt war ich positiv überrascht. Nachdem der letzte Wolverine-Film ein Fehltritt war, ist „Les Misérables“ eine durchaus angemessene Entschuldigung bei den Fans. In der Liga der ganz großen Kinohighlights der letzten 12 Monate („The Dark Knight Rises“, „Django Unchained“ etc.) spielt der Film zwar nicht mit, aber die erfrischend musikalische Herangehensweise an die klassische Literatur von Stan Lee ist durchaus sehenswert und nicht nur für Comic-Liebhaber interessant. Ich wäre auch nicht überrascht, wenn sie auf Basis dieses Films ein richtiges Broadway-Musical schreiben würden – die vielen gesungenen Passagen schreien quasi danach. Besonders das Musikstück „Master Of The House“ hat es mir hier angetan. Es ist eine humorvolle Szene aus der Mitte des Films, die keine inhaltlichen relevanten Details verrät. Wer also gerne eine Kostprobe sehen (und hören) möchte, dem sei das untenstehende Video wärmstens ans Herz gelegt. Gute Nacht.

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