Hallo. Ich bin Chrizzo. Ich stamme aus Bremen, der schönsten Stadt der Welt. Willkommen in meinem virtuellen Zuhause.

Als ich im Jahr 1999 zum ersten Mal Eminems „The Slim Shady LP“ gehört habe, war es um mich geschehen – ich war ein Hiphop-Fan. Die düstere, zynische Perspektive auf das Leben, der provokante Humor und der rohe, ungeschliffene Sound haben mein Herz im Sturm erobert. Und so habe ich mich Album für Album erst an US-Features entlanggehangelt und nach und nach auch die deutsche Hiphop-Szene erschlossen. Die Anzahl der Platten in meinem Regal wurde immer größer und man hat mich nur noch selten draußen ohne meine geliebten Kopfhörer angetroffen.

Es dauerte weitere vier Jahre bis ich die erste Mal selbst die Hand ans Mikrofon legte: Angestachelt durch einen Diss-Track fühlte ich mich gezwungen zu kontern. Ich habe mir ein Eminem-Instrumental gegriffen, ein paar Zeilen geschrieben und zum allerersten Mal in meinem Leben gerappt. Der dilettantische Gehversuch war natürlich ziemlich lächerlich, gleichzeitig aber ein Befreiungsschlag. Endlich ein Weg um Gefühle und Gedanken zu kanalisieren, zu verarbeiten und zu kommunizieren.

Ab da ging es aufwärts: Es wurden in Online-Foren genetzwerkt, es wurden Features mit anderen Nachwuchsrappern wie Scrawl oder Rince auf die Bein gestellt. Mit Kando, einem Rapper und Produzenten hier aus Bremen, habe ich erste Bühnenerfahrung gesammelt (und als wahrscheinlich einziger Absolvent des Schulzentrums Walliser Straße jemals auf der Bühne des Abiballs das Wort „Schwanzmassage“ in ein Mikro gebrüllt und dafür auch noch Applaus bekommen). Ab 2005 war ich im Dunstkreis einer überwiegend in Frankfurt ansässigen Rap-Formation namens Noble Minds unterwegs. In dieser Konstellation haben wir zwei legendäre Mixtapes veröffentlicht, bevor die Gruppe sich schließlich aufgelöst hat. Im gleichen Zeitraum hat Kando das Ronin Studio in Bremen aufgebaut – so nannten wir die kleine Ecke in seinem WG-Zimmer, in der neben reichlich Audio-Equipment unsere selbstgebaute Gesangskabine stand. Zwischen 2006 und 2008 haben wir dann im Ronin Studio nicht nur Kandos Beats berappt und ein ebenfalls legendäres WG-Konzert im Wohnzimmer abgerissen, sondern darüber hinaus „Command & Conquer“ aufgenommen – das Debutalbum, vollständig von Courtmasta aus Darmstadt produziert und als limitierte Auflage von 500 Exemplaren auf CD gepresst. Im gleichen Zeitraum haben wir mit Volker Bergmann und Peter Busch von Celtic Light an einem Projekt gearbeitet, bei dem wir Hiphop-Vocals und Beats mit Irish-Folk-Instrumenten verknüpft haben. Das Projekt kam leider nie über Demo-Status hinaus, war aber ein Heidenspaß. In dem Zeitraum entstanden auch zwei, drei extrem schreckliche Musikvideos, an die wir uns irgendwie gern zurückerinnern und die wir gleichzeitig am liebsten vergessen würden. Ja, wir waren naiv, aber geil wars, oder?

Aber wie alles im Leben ging auch die Ronin-Studio-Ära irgendwann zuende: Kando ist erst nach Hamburg, dan nach Kiel gezogen und hat sich musikalisch umorientiert. Mittlerweile ist er als House-DJ unterwegs – immer noch dope, aber eben in einer ganz anderen Welt. Während wir immerhin regen privaten Kontakt halten konnten, kam die Zusammenarbeit mit Courtmasta wegen unüberbrückbarer persönlicher und auch künstlerischer Differenzen kurz nach Album-Release zum Ende.

Im Jahr 2011 drückte mir ein enger Freund aus Köln eine Beat-CD in die Hand – von einem Arbeitskollegen von ihm, der zufällig Beats macht. Noch am selben Abend habe ich einen Beat gepickt, geschrieben und ein Demo aufgenommen (der Song war übrigens „Spielen“). Der Produzent war begeistert. Und so entstanden zwischen 2011 und 2013 ein Haufen neuer Songs, produziert von Luiz MP, aufgenommen zur einen Hälfte im Ronin Studio in Hamburg und zur anderen Hälfte auf meinem Dachboden – mit Equipment, dass ich mir von einem Bekannten leihen musste. „Wo sind meine Nerds?“ war der erste Song, den wir einem breiteren Publikum vorgestellt haben, als ich ihn live auf der Jubiläumsfeier zum 40sten Geburtstag der Universität Bremen aufgeführt habe. Die Studioversion landete auf der im gleichen Jahr veröffentlichten CD-Compilation mit Songs von diversen Künstlern und Bands, die mit der Universität Bremen verknüpft sind. Bis zur Veröffentlichung des gemeinsamen Albums „Eine Welt voller Träume und leerer Versprechen“ in Form eines Gratis-Downloads dauerte es leider etwas mehr als drei weitere Jahre – bis zum Januar 2014. Seit dem sind Luiz MP und ich auf Misantropica verschollen – Gerüchten zufolge lassen wir uns dort aber nicht nur die Sonne auf den Pelz brennen, sondern arbeiten heimlich, still und leise an neuem Material…